Meine Zeit bei PARA Vida sem Drogas

„Para Vida Sem Drogas – Für ein Leben ohne Drogen.“ Seit drei Tagen darf ich diese wunderbare Arbeit kennenlernen. Im Folgenden möchte ich meine ersten Eindrücke mit Ihnen teilen.

Den ersten Kontakt mit der Drogentherapie hatte ich, als ich gemeinsam mit der AMB einen Klienten hierherbrachte. Der junge Mann wirkte auf mich sehr besorgniserregend. Von seiner Vergangenheit gezeichnet, redete er kaum, schlief die meiste Zeit, und ein Lächeln sah ich an diesem Tag nicht auf seinem Gesicht. Ich machte mir große Sorgen, dass er die Therapie schon nach kurzer Zeit abbrechen würde, deshalb betete ich immer wieder für ihn. Als ich diesen jungen Mann nun, vier Monate später, wiedertraf, erkannte ich ihn kaum wieder. Mit einem Strahlen kam er auf mich zu und berichtete mir fröhlich von seiner Zeit hier und betonte, wie dankbar er Gott für alles ist. Ich war erstaunt, auf einmal einen aufgeschlossenen, friedlichen, energievollen jungen Mann vor mir zu haben – es war, als stünde ein neuer Mensch vor mir.

Kurz nach diesem Gespräch sprach ich mit einem Mann, der an diesem Tag seinen Therapieabschluss feierte. Mit Tränen in den Augen sagte er, dass er ein neuer Mensch sei und diese Organisation mit neuer Hoffnung, mit neuer Kraft und neuem Glauben verlasse. Kurz darauf sprach ich mit einem anderen Klienten, der seit 20 Tagen hier ist. Auf die Frage, wie es ihm hier gefällt, antwortete er: „Sehr gut, die Präsenz Gottes ist hier so spürbar.“ Total überwältigt und dankbar durch meine ersten Eindrücke ging ich an diesem ersten Abend ins Bett.

Die nächsten Tage durfte ich feststellen, wie sich all diese Eindrücke bestätigten oder sogar übertroffen wurden. Die Gruppe startet jeden Morgen mit Lobpreis und einer Andacht in den Tag. Wenn diese 21 Männer, von denen jeder einzelne durch tiefe Narben und Wunden der Vergangenheit gezeichnet ist, gemeinsam ihre Stimmen zu Gott erheben, entsteht eine unglaublich kraftvolle und ehrliche Atmosphäre, in der Gottes Gegenwart deutlich spürbar ist. Sie entwickeln neue Träume, Perspektiven, Sinnhaftigkeit und Freiheit – durch Gottes Hilfe und die unglaubliche Arbeit des Teams hier. (Foto: Patricia bei der Andacht)

Die Missionare und Fachkräfte hier sind überwältigend; ihr Dienst ist quasi grenzenlos. Sie leben und arbeiten am selben Ort, gewinnen nur wenig Abstand, und trotzdem sah ich in keiner Sekunde, wie sie ihre Geduld oder Hoffnung verlieren. Sie begegnen jedem Klienten in Liebe und Ruhe und spiegeln Gottes Ebenbild wider. Sie befinden sich in einem ständigen Kampf, finanzielle Mittel zu generieren und mit den wenigen, die sie haben, auszukommen. Und trotzdem ähnelt dieser Ort einem Freizeit- und Bauernhofgelände, auf dem einige Familien in Deutschland sicher gerne Urlaub machen würden. Es gibt ein eigenes Fußball-, Floorball- und Volleyballfeld, Schweine, Hühner, Schafe und ein Pferd. Dazu kommen ein eigener Gemüse- und Weintraubenanbau, eine Werkstatt und vieles mehr, dass ich vermutlich in der kurzen Zeit noch nicht kennenlernen konnte.

Des Weiteren beeindruckt mich die Ganzheitlichkeit des Systems: Es gibt ein präventives Programm für Kinder. Den Klienten wird durch psychologische, theologische und pädagogische Methoden geholfen, ihre Sucht nachhaltig zu verstehen und zu bekämpfen. Auch nach ihrem Aufenthalt werden die Klienten weiter begleitet – durch ortsgebundene Selbsthilfegruppen oder psychologische Nachsorge. Selbst bei einem Rückfall steht das Team zur Seite und kümmert sich um individuelle Hilfe. In manchen anderen Einrichtungen entwickelte ich den Eindruck, dass Klienten nur eine Zahl, eine Aufgabe sind. Hier habe ich ein anderes Gefühl: Die Männer werden als Geschöpfe Gottes gesehen.

Ich denke, diese Organisation ist ein wunderbares Ergebnis von Gottes Gnade und Versorgung und von Menschen, die sich nicht zu schade sind, für ihren Gott über Mauern zu springen. Menschen, die niemals aufgeben und immer auf der Suche danach sind, Systeme zu optimieren und ihr Bestes für Gott zu geben.

Patricia (Praktikantin - Sozialarbeit)

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