Mein Praxissemester bei AMB

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich in diesem Bericht schreiben möchte. Wie sich 3.5 Monate in einem fremden Land und Umfeld auf einer halben DIN-A4-Seite zusammenfassen? Bereits an meinem ersten Tag wurde mir bewusst, dass mir zwar vieles fremd ist, der Gott, für den ich lebe, jedoch beständig bleibt. Ich begegne ihm in der Gastfreundschaft der Menschen, im Lächeln der Kinder und in der Schönheit der brasilianischen Kultur. Mit dieser Erfahrung wuchs in mir die Gewissheit, mich mit Gott an meiner Seite überall zuhause fühlen zu können.
Doch wie begegnet man einer Realität, die man nicht verändern kann? Bei einem Hausbesuch zeigte mir ein Kind stolz sein Bett – ein kleines Zimmer, das es sich mit seiner Mutter und seinem Bruder teilt. Das Bett war mit Müll bedeckt, ohne Decke oder Laken. In einem anderen Haus beobachtete ich einen Jungen, der freudig an einem verfaulten Apfel aß. Der erste Impuls, ihm den Apfel wegzunehmen, wich der Erkenntnis, dass es möglicherweise eines der wenigen Lebensmittel dieses Tages war.
Wenn ich solchen Lebensrealitäten begegne, bricht mir das Herz. Alles in mir drängt danach, einzugreifen und diese Kinder aus ihren Umständen herauszuholen. Gleichzeitig lerne ich hier, meine eigenen Grenzen anzunehmen. Ich darf helfen, wo es mir möglich ist, und in allen anderen Momenten darauf vertrauen, dass Gott diese Kinder in seinen Händen
hält – besser, als ich es jemals könnte.
Ein besonders bewegender Moment ereignete sich kurz vor Weihnachten. Die Kinder bastelten Weihnachtskarten für eine ihnen wichtige Person. Ein Junge kam auf mich zu und überreichte mir seine Karte. Diese Geste berührte mich tief und machte mir zugleich schmerzlich bewusst, wie sehr manchen Kindern verlässliche Bezugspersonen fehlen. Viele von ihnen kehren nach ihrem Aufenthalt bei AMB in ein Umfeld zurück, das von Mangel, Konflikten und Unsicherheit geprägt ist – und dennoch begegnen sie dem Alltag mit Lachen, Spielfreude und Offenheit. Diese Erfahrung zeigt mir, dass Gottes Frieden unabhängig von äußeren Umständen in uns existieren kann.Diese Zeit hat nicht nur meinen Blick auf die Lebensrealität der Kinder verändert, sondern auch mich selbst. Mein Selbstbewusstsein ist gewachsen, ebenso mein Mut, Verantwortung zu übernehmen und meinen Glauben im Alltag weiterzugeben. Allein unterwegs zu sein, auf eine fremde Sprache angewiesen zu sein, hat mich gelehrt, weniger zu zögern und mehr zu vertrauen. So wurde es für mich selbstverständlicher, einem obdachlosen Menschen zu sagen, dass Jesus ihn liebt, einer Kassiererin an der Kasse Gottes Segen zuzusprechen oder einem Kind, das kein Geburtstagsgeschenk erhält, zu vermitteln, dass Jesus selbst das größte Geschenk ist. Auch im Gespräch mit einem Jungen, der Jesus am Kreuz malte, durfte ich in gebrochenem portugisch über diese Bedeutung mit ihm sprechen.
Insgesamt verbringe ich fünf Monate in Brasilien, wo ich im Rahmen meines Praxissemesters Soziale Arbeit studiere. Ich bin 21 Jahre alt und meine Hauptaufgabe liegt in der Mitarbeit im SCFV, einem bindungsstärkenden Programm von AMB, in dem ich Kinder und Jugendliche begleite.

Patricia Kapfenstein

Zurück

Nachrichten

POCM - Geschätzte Spenden

Während unsere Partner im Vereinigten Königreich, den USA, Norwegen und großzügige Geschenke ...

Weiterlesen …

VOM - Ein neuer Brunnen für Uganda

Die Menschen in Uganda wurden von der Pandemie zusätzlich zu den Schwierigkeiten, die sie bereit...

Weiterlesen …

PARA - Und der Regen geht weiter

Es ist nach wie vor immer noch sehr gut den Regen zu haben, nach monatelanger Trockenheit! Ich he...

Weiterlesen …

POCM - Es geht aufwärts

Durch Gottes Gnade verbessert sich die Situation hier auf den Philippinen in Bezug auf die Pandem...

Weiterlesen …

FCM - Unterwegs zum Ziel

Es sind schon 8 Monate her, dass wir nach Deutschland gezogen sind um in der Mission bei FCM zu a...

Weiterlesen …

AMB - Ein Grußwort von Erhard Friesen

Joh. 13, 13-15: "Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin's auch. Wenn...

Weiterlesen …

POCM - Für Kinder ein Zuhause sein

Wir sind sehr dankbar für alle, die für uns beten. Wie Ihr Euch vielleicht vorstellen könnt, w...

Weiterlesen …

Missionsfest - 30 Jahre FCM!

Bunt wurde es am Wochenende: Am Sonntag, den 10.Oktober fand in der St. Aegidien-Kirche unser Mis...

Weiterlesen …

AMB - Gottesdienste von Kinder- und Familienpatenschaften

In der Kinder- und Familienpatenschaft gab es letzten Monat endlich eine gute Nachricht: Am 18. S...

Weiterlesen …