Nun bin ich schon über 2 Monate als Freiwillige im Gesundheitsprojekt der AMB zugegen und habe einen Einblick in die Arbeit, die Anforderungen und Herausforderungen erhalten. Was mich neben der Armut und manchen Lebensumständen sehr stark bewegt hat, sind Schicksale und Fügungen des Lebens mancher Menschen. Das Büro des Gesundheitsprojektes dient nicht nur der Beratung und Versorgung in Gesundheitsangelegenheiten oder Unterstützung, indem Kleidung, Schuhwerk, Brillen, Bettwäsche, Windeln und vieles mehr je nach Bedarf ausgegeben werden. Oft sind seelsorgerliche Gespräche ein fester Bestandteil der Tätigkeiten im Projekt, wobei die Menschen neue Hoffnung schöpfen können. Damit auch Sie sich ein Bild von unserer Arbeit machen können und die Wege der Unterstützung besser mitverfolgen können, möchte ich Ihnen gerne davon berichten:
• Eine Frau betritt das Büro und weint und weint und weint. Trudi redet mit ihr und betet anschließend. Sie hat Depressionen. Bei solch einem Leben und den Erfahrungen, die sie gemacht hat, ist dies nur all zu verständlich!
• Ein weiterer schwerer Schicksalsschlag trifft eine andere Frau aus der Familienpatenschaft. Zwei ihrer Söhne werden ermordet. Erst der 17 jährige, 2 Monate später auch der 12-jährige. Höchst wahrscheinlich waren Drogen im Spiel. Der Jüngere musste sterben, weil er mutmaßlich zu viel wusste. Die Mutter ist am Ende ihrer Kraft und kommt zum Gesundheitsprojekt, einfach um sich eine Umarmung abzuholen, zu reden und zu weinen.
• Die Familie des verdächtigten Täters wird ebenfalls von AMB unterstützt. Seine Schwester kommt zum Gesundheitsprojekt, da es ihrer Mutter so schlecht geht. Sie hat Depressionen und benötigt Medikamente. Ihr Sohn, der angeprangerte Mörder, sitzt im Gefängnis. Inwieweit er jedoch in den Mord verwickelt ist, ist unklar. Er muss schweigen und im Gefängnis bleiben. Seine Familie wird bedroht, denn wenn er redet, setzt er sie in große Gefahr aus. Da die „Erpresser“ Kontakte zur Polizei haben, gibt es für die Familie keinen Polizeischutz.
Worte des Mutes und guten Zuspruchs verlangen sehr viel Weisheit,
besonders in diesen beiden Fällen.
• Ein Mann beschwert sich sehr über Schmerzen im Brustbereich. Er hat einen schlimmen Husten. Seitdem er 6 Jahre alt ist, raucht er. Das sind mittlerweile schon mehr als 50 Jahre. Das Rauchen kann er nicht aufgeben, denn dann wird er sehr nervös. Wir geben ihm ein Rezept mit und laden ihn in den Gottesdienst ein. Seine Frau kommt schon ab und zu in die Kirche. Ob er auch eines Tages kommen wird ist unklar. Einen eisernen Willen zu leben hat er jedoch schon einmal bewiesen, als er der Alkoholsucht, ohne Hilfe von Außen, den Rücken zuwandte.
• Eine Frau besucht das Büro des Gesundheitsprojektes mit ihrem kleinen Sohn (ca.2 Jahre). Sie sehen beide ungepflegt und dünn aus. Sie erzählt, dass ihr jüngstes Kind 4 Monate alt ist, kurz vor der Geburt ist der Vater an einem Schlaganfall gestorben. Sie haben keine anderen Möglichkeiten der Unterstützung. Wir geben gerne Kleidung und Windeln mit. Wie weiterhin Hilfe geleistet werden kann, wird bis zu der nächsten Sprechstunde beraten. Eine Patenschaft ist in Aussicht.
• Eine ehemalige Lehrerin von Trudis Kindern stattet uns einen Besuch ab. Sie hatte Krebs. Dank der Unterstützung von Medikamenten aus Deutschland und sehr vielem Gebet, ist sie vom Krebs geheilt und kämpft nun mit den Nachwirkungen.
• Bei einem Hausbesuch treffen wir eine junge Mutter an, die an MS (Multiple Sklerose) erkrankt ist. Sie schläft und wir wollen sie nicht wecken, denn sie hat trotz starker Schmerzmittel sehr starke Schmerzen. Gehen, Sitzen und Sehen kann die MS-Kranke nicht mehr und vom vielen Liegen zeichnen sich deutliche Druckstellen und Wunden ab. Von ihrer eigenen Mutter wird sie rührend umsorgt und gepflegt. Die kleine Wohnung ist sehr sauber gehalten, was zu der Wohngegend deutlich im Widerspruch steht. Solch eine Sauberkeit trifft man selten bei den Hilfesuchenden an. Das Gesundheitsprojekt unterstützt die Familie, indem Physiotherapie für die Patientin finanziert wird. Probleme gibt es allerdings dadurch, dass der ambulante Fahrdienst (vom Staat) zu spät kommt, um sie abzuholen. Dadurch wird der Behandlungstermin verpasst.
Die Anforderungen an das Gesundheitsprojekt sind sehr vielfältig und herausfordernd. Jeder Mensch, der das Büro betritt hat, seine eigene Geschichte und erfordert individuelle Unterstützung. Gebete, um die nötige Kraft und die richtigen Worte für jeden einzelnen zu haben, sind daher existenziell für unsere Arbeit.
Im Namen des Gesundheitsprojektes möchte ich mich daher für jede Fürbitte, für jeden Cent, der gespendet wird und für materielle Unterstützung sehr herzlich bedanken. Ohne Ihre Beihilfe wäre diese Arbeit nicht möglich.
Es grüßen Sie ganz herzlich,
Freiwillige Luise Henrich und Trudi G. Philippsen, Leiterin des Projektes

Bild 1) Ein typisches Beratungsgespräch

Bild 2) Ein Junge bekommt Sandalen

Bild 3) Trudi erklärt eine Krankheit
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